Pop_News_07.02.20
ZUCCHERO – Gute Musik und Sprit für ein Motorrad

ZUCCHERO – Gute Musik und Sprit für ein Motorrad

„Ich wollte nie etwas anderes als Musik machen, schöne Frauen um mich herum wissen, guten Wein trinken und genug Sprit für ein Motorrad oder Auto haben, um immer auf dem Sprung sein zu können“, bekennt Zucchero, der laut Reisepass auf den bürgerlichen Namen Adelmo Fornaciari hört. Und der Mann aus Roncocesi/Reggio Emilia fügt verschmitzt hinzu: „Wenn man mir all das vergönnt, bin ich der glücklichste Kerl der Welt.“

Das musikalische wie körperliche Schwergewicht zählt seit rund 40 Jahren zu den männlichen Rock-Stimmen schlechthin – und das seit langem nicht mehr ausschließlich in seiner Heimat. Was daran liegen mag, dass der 64jährige zwar meist Italienisch singt, seine Stimme aber das gänsehauterzeugende Timbre eines Joe Cocker oder Tom Waits besitzt.

Ende 2019 ist „D.O.C.“ (was so viel wie „qualitätsgeprüft“ bedeutet) erschienen, Zuccheros 15. Studioalbum, das vor Blues, Gospel und Rock nur so dampft. Ende des aktuellen Jahres ist der Mann mit der Ausnahme-Stimme und Vater von drei Kindern auf Tournee quer durch Deutschland. „Das werden wieder mal geile Partys, diese Gigs“, verspricht das Urgestein an personifizierter Lebensfreude. Er lacht kehlig, voller Vorfreude.

Sie haben immer wieder in Interviews erwähnt, dass Autos und Motorräder wichtige Konstanten in ihrem Leben sind. Wem geben Sie bei der Fortbewegung den Vorzug: dem Auto oder dem Motorrad?
Zucchero (lacht): In den 70ern fand ich Autos ziemlich spießig, da war Motorradfahren Pflichtprogramm. Ich gehörte sogar einer Zeitlang einer echten Gang an, so einer Art italienischer „Hell’s Angels“. Na ja, ganz so wild wie die amerikanischen Originale waren wir nicht, wir haben mehr getrunken als uns geprügelt.
Wie auch immer, in meinen Zwanzigern bewegte ich mich beinahe ausschließlich auf dem Bike vorwärts. Allerdings hatte ich damit einige heftige Unfälle, das hat mein Fahrvergnügen etwas getrübt. Und als ich eines Abends im Vollrausch in einem Teich landete und die Maschine Schrott war, habe ich mich mehr und mehr auf die Fortbewegung mit Autos konzentriert. Vor allem lief in dieser Zeit – das war ganz zu Beginn der 80er Jahre – meine Karriere als Musiker richtig gut an, ich hatte ein bisschen Geld in der Tasche und leistete mir von den Tantiemen fürs erste Album einen knallroten Maserati. Ein geiles Gefährt, beinahe ebenso euphorisierend wie ein schnelles Motorrad.
Gibt es in Ihrem Leben außer Motoren und Musik noch andere Leidenschaften?
Mädchen, ganz eindeutig! Kein Motorrad und kein Auto können gegen das Design einer schönen Frau anstinken. Und bislang ist mir auch noch kein Lied untergekommen, das so grandios wäre wie ein perfektes Mädchen. Wobei klar ist, dass ich immer nur Sänger werden wollte, damit ich die weibliche Welt beeindrucken kann. Ich bin ein ziemlich hässlicher Kerl, deshalb musste ich mir schon in meiner Jugend etwas einfallen lassen, um an die Girls ranzukommen. Gottseidank wurde ich von meinem Schöpfer nicht nur mit einem hässlichen Gesicht, sondern gleichzeitig mit einer begnadeten Stimme ausgestattet. Das brachte mich meinem Ziel, möglichst viele Ladies kennenzulernen, ein erhebliches Stück näher.
Sie lieben Gedichte und Geschichten des literarischen Underdogs Charles Bukowski. Sehen Sie sich wie dieser Schriftsteller ebenso als Anhänger von Sex, Alkohol, plus einer gehörigen Portion Rock & Roll?
Zwischen Bukowski und mir gibt es einige Parallelen, was den Lebensstil angeht. Der Hauptunterschied zwischen uns beiden besteht darin, dass er schon tot ist und ich noch am Leben. Und – ganz klar – ich bin Italiener und kein Amerikaner wie er. Wir Italiener sind ein sehr spezielles Volk: Wir suhlen uns liebend gerne in der Melancholie, letztendlich aber lieben wir das Leben und möchten möglichst unsterblich sein. Doch logisch: Gegen Sex, Alkohol und Rock & Roll hat jeder vernünftige Italiener nichts einzuwenden.
Trotz aller Lebensfreude klingen nicht wenige Ihrer Lieder ziemlich traurig. Warum?
Weil ich mir über die eigene Sterblichkeit bewusst bin. Je älter ich werde, desto mehr mache ich mir Gedanken zu diesem Thema. Mein Ziel derzeit ist es, mit dem Tod klarzukommen, ihn als Partner und nicht als Feind zu sehen. Und ansonsten, so lange ich noch auf diesem Planeten verweile, möglichst viel von dem durchzuziehen, was mir im Kopf herumspukt.
Was wäre das?
Den perfekten Rock-Song aufzunehmen, eines Tages. Jenes Lied also, das alle Menschen berührt. Sogar dann, wenn es von einer krächzenden Stimme wie der meinen gesungen wird.
Und welche Ziele verfolgen Sie ansonsten?
Ein glücklicher Mensch zu sein! Glück steht für absolute Zufriedenheit in meinem Wertesystem. Mehr kann man von unserer Existenz nicht erwarten. Ich bin im Prinzip ein sehr einfach gestrickter Mensch. Ich glaube, Typen wie ich kommen in unserer verrückten Welt am besten durch. Michel-Fuchs-Gamböck

Bild @ Robert Ashcroft
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