Jazz_News_30.06.20
Jasmin Tabatabai – Hauptsache Gefühl!

Jasmin Tabatabai – Hauptsache Gefühl!

Jasmin Tabatabai ist eine der ganz großen und bekannten nationalen Kino- bzw. TV-Miminnen der Jetzt-Zeit. Fast eine Million Zuschauer freuten sich 1997 über das anarchische Road Movie, in dem vier Frauen im Knast eine Band gründen, unverhofft fliehen können - und sich auf der Flucht eine Riesenschar Fans sichern. Da ist die Kommissarin Mina Amiri in der ZDF-Serie „Letzte Spur Berlin“, deren Einsätze Millionen von Fernsehzuschauern regelmäßig verfolgen. In etlichen anderen renommierten Krimi-Reihen ist die Deutsch-Perserin gleichfalls präsent.
Aber Tabatabai, die Sängerin? Auch die ist definitiv keine Unbekannte. In den 90ern gründete sie die Frauen-Popband Even Cowgirls Get The Blues. Anno 2011 erschien ihr erstes Solowerk mit deutschsprachigen Liedern, wofür die Dame, Jahrgang 1967, mit einem „Echo-Jazz“ ausgezeichnet wurde.
Jetzt ist Deutsch-CD Nummer 3, JAGD AUF REHE in den Handel gekommen. Ein wilder Reigen aus Jazz, Chanson, Folk und Orientalischem, vorgetragen in Deutsch, Englisch, Französisch und Persisch. Produziert worden ist „Jagd auf Rehe“, wie Tabatabais Vorgängeralben, vom Baseler Musiker und Komponisten David Klein. „Ich bin sehr sehr stolz auf diese Platte“, lacht das Energiebündel vergnügt vom anderen Ende der Telefonleitung.

Wir finden Stücke in deutscher, englischer, iranischer und französischer Sprache auf Ihrer neuen Platte. Woher kommt diese Leidenschaft fürs Multi-Kulturelle?
Ich beherrsche vier Sprachen fließend, alle Idiome besitzen einen eigenen Charakter. Und wenn ich sozusagen mit unterschiedlichen Zungen singe, bekommen die Lieder zwangsläufig eigenen Mentalitäten. Sie nehmen die Persönlichkeit ihrer Herkunft an. Dieser Umstand fasziniert mich sehr.
Sie sind einerseits Schauspielerin, andererseits Sängerin. Laufen Sie nicht an manchen Tagen Gefahr, schizophren zu werden?
Das funktioniert sehr gut mit den Häutungen. Auch deshalb, weil diese beiden Berufe im Grunde ihres Herzens viel miteinander zu tun haben. Im Grunde ihres Herzens dreht sich bei den zwei Jobs alles um Emotionalität. Nur sind die Herangehensweisen äußerst unterschiedlich. Aber im Endeffekt erwarte ich ein Ergebnis, das mich und hoffentlich auch die Leute im Inneren berührt.
Wir hören bei „Jagd auf Rehe“ einen wilden Stilmix aus Jazz, Chanson, Liedermacher-Tradition, Folklore, Pop. Was ist dieses Konglomerat denn nun?
Muss man es denn kategorisieren? Wir befinden uns mit diesem „wilden Stilmix“ auch durchaus in der Jazz-Tradition von Miles Davis oder John Coltrane, die auf ihren Alben jeweils Broadway-Hits, damalige Schlager, Kompositionen von Musikerkollegen sowie Eigenkompositionen aufnahmen. Ansonsten bin ich eine Künstlerin, die sich zeitlebens jedweden Erwartungshaltungen verweigert hat. Jedes meiner Alben lebt von unterschiedlichsten kreativen Ausrichtungen. Letztlich geht es um pausenlose Weiterentwicklung. Mir wird schnell langweilig. Michael Fuchs-Gamböck
Bild. © Mathias Bothor
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tonart Ausgabe Herbst 2020/3

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