High Fidelity_News_17.07.20
Silbernes Jubiläum: MP3 wird 25

Silbernes Jubiläum: MP3 wird 25

Der 14. Juli ist nicht nur der französische Nationalfeiertag, sondern auch der Geburtstag eines Musikformats, das die Welt des Musikhörens nachhaltig verändert hat. Am 14. Juli 1995 wurde „MPEG-1 Audio Layer III“ auf das griffige Kürzel „mp3“ getauft – also eigentlich eher ein Namenstag. Entwickelt worden war das Verfahren schon einige Jahre früher, aber es hatte bis dato keine ausreichend schnelle Technik gegeben, die das komplexe Datenreduktionsverfahren zu bezahlbaren Preisen beherrscht hätte. MP 3, das im Wesentlichen am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) in Erlangen unter der Leitung von Karlheinz Brandenburg entstanden ist, verwendet psychoakustische und mathematische Verfahren, um die riesige Datenmenge etwa der CD auf ein handliches Maß zu stutzen. Dabei werden zum Beispiel gleiche Signalanteile im rechten und linken Stereo-Kanal zusammengefasst, und es werden für die verschiedenen Frequenzbereiche nur so viele Bits spendiert, wie nötig sind, damit das Ohr keine Klangverfälschung wahrnimmt. Dabei nutzt MP3 vor allem den „Verdeckungseffekt“ aus: Leise Töne, die in unmittelbarer Frequenznachbarschaft eines lauten Tons liegen, kann unser Gehör nicht wahrnehmen – MP3 lässt sie einfach weg. Auf diese Weise konnte die Datenmenge einer CD auf rund ein Zehntel eingedampft werden. Derart stark komprimierte Musik klingt allerdings alles andere als highfidel, und trotz der geschrumpften Datenmenge konnten die ersten tragbaren MP3-Player, die 1998 auf den Markt kamen, gerade mal eine Stunde Musik speichern. Doch im Laufe der Jahre wurden die Speicher größer und billiger, die Übertragungsverbindungen schneller, so dass man sich höhere Datenraten, also besseren Klang erlauben konnte. Heute wird meist nur noch auf ein Fünftel der CD-Datenmenge komprimiert. Zudem wurden die Algorithmen verbessert und zu neuen Tonformaten weiterentwickelt: Musik-Streaming-Dienste arbeiten heute meist mit dem MP3-Nachfolger AAC, der ebenfalls am Fraunhofer-IIS von dem Team um Karlheinz Brandenburg entwickelt wurde. Den Klang solcher Musikdateien vom CD-Original zu unterscheiden, gelingt allenfalls noch einigen wenigen „goldenen Ohren“. Und für diese Klientel bieten Streaming-Dienste wie Tidal, Qobuz, Deezer HiFi oder Amazon Music HD sogenannte „Lossless“-Abos im kompakten, aber verlustfreien FLAC-Format – teilweise sogar in „High Resolution“, also in besserer Qualität als CD. Und so hat sich aus dem einstigen Schmuddelkind der Musikbranche ein klangliches Juwel entwickelt.
Ulrich Wienforth

Bild: ©Pontis. Einer der ersten portablen MP3-Player stammte ebenfalls aus Deutschland: von Pontis. Die Dateien wurden auf Flash-Karten gespeichert.
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