Pop_News_17.05.19
RAINBOW - STILL HEAVY AFTER ALL THESE YEARS

RAINBOW - STILL HEAVY AFTER ALL THESE YEARS

Letztendlich war es ein einziger Song namens „Black Sheep Of The Family“, im Original von der Band Quatermass, den Ritchie Blackmore seiner Stammgruppe Deep Purple zum Covern vorschlug. Wir schreiben Ende 1974, der Rest der Hardrock-Ikonen verweigerte den Zuschlag. Was den englischen Ausnahmegitarristen dermaßen erzürnte, dass er die Formation kurzerhand verließ und nur ein Jahr später mit seiner eigenen Formation Rainbow ins Licht der Öffentlichkeit zurückkehrte. Auch mit dieser Heavy-Truppe verkaufte er Millionen Alben und spielte weltweit extrem erfolgreich Tausende von Konzerte.
1985 löste sich die Band auf, zwischen 1995 - 1997 fand sie nochmals zusammen. Und seit 2015 gibt die Combo sporadisch Live-Konzerte. Der alte Grummler Blackmore, heute 74, hat mit seiner mittlerweile 48jährigen amerikanischen Ehefrau, der Sängerin Candice Night, 1997 die ebenfalls äußerst erfolgreiche Mittelalter Rock-Formation Blackmore’s Night ins Leben gerufen, seine Candy geehelicht und mit ihr zwei Kinder in die Welt gesetzt.
2019 ist das Jahr, in dem Ritchie und Candy gleich in zwei Live-Parallelwelten erscheinen werden. Zum einen absolvieren Rainbow am 12. Juni ihr einziges Live-Konzert in Deutschland für dieses Jahr in der Münchner „Olympiahalle“. Zum anderen gibt es im Sommer sechs Blackmore’s Night-Shows in unseren Breitengraden.
Die selbst ernannten „ewigen Turteltäubchen“ klären tonart über sämtliche Aktivitäten auf:

Warum ist Ihnen die Band Rainbow derart wichtig, dass Sie 2015 beschlossen, sie zu reanimieren?
Ich wollte einfach mal wieder meine geliebte „Stratocaster“-Gitarre umschnallen und darauf losbrettern. Der Sänger, den ich an der Seite hatte - Ronnie Romero - , klang super und hatte Interesse daran, einige der alten Rainbow-Songs für die Fans zu spielen. Ich halte Nostalgie für eine äußerst wichtige Sache. Etliche alte Fans fragten mich immer wieder, ob ich irgendwann altes Rainbow-Zeug live für sie spielen würde. Das machte ich sehr gerne! Also die „Strat“ ausgepackt und mal wieder etwas anderes tun als die gut 20 Jahre mit Blackmore’s Night, wo ich in erster Linie akustische Saiteninstrumente bediene.
Was sind für Sie persönlich die musikalischen Unterschiede zwischen Rainbow und Deep Purple?
Bei Rainbow genieße ich mehr Freiheiten. Und Rainbow gibt lediglich ein paar Shows pro Jahr, während Deep Purple pausenlos tourt. Ich hingegen reise nicht sehr gerne. Außerdem habe ich, bedingt durch zahlreiche Personalwechsel, eine Menge unterschiedlicher Genres mit Rainbow ausprobiert. Im Vergleich zu Deep Purple kann man diese Gruppe nicht kategorisieren.
Rainbow besitzt seit 2015, neben Ihnen als Gründer, eine komplett neue Besetzung. Was unterscheidet die „alten Rainbow“ von den „neuen Rainbow“?
Gar nicht mal viel. Mir ging und geht es darum, Spaß an der Sache zu haben. Für mich ist dieser alte Stoff gepaart mit Nostalgie ganz schön kraftvoll.
Somit wird Rainbow live sehr klassisch wie in den 70ern und 80ern klingen, richtig?
Es wird schon ein paar Unterschiede geben. Neue Mitglieder besitzen Persönlichkeiten. Die wollen sie in den Sound einbringen. Manche Songs werden sich sehr eng an die Originale halten. Bei anderen möchte ich nicht, dass sie zum Duplikat verkommen. Ich begebe mich gerne auf eine Zeitreise zurück in meine eigene musikalische Vergangenheit. Aber stets aus der Perspektive von heute.
Warum spielt Ihre Band 2019 in München das einzige Deutschland-Konzert?
Weil die Stadt sehr zentral liegt. Viele unserer Fans reisen aus Österreich und vor allem Italien an. Für die ist München der perfekte Standort.
Welche Beziehung haben Sie zu München?
Ein Freund von meiner Familie und mir besitzt ein Schloss, dort sind wir jederzeit gern gesehene Gäste. Ich liebe das Münchner Umland. Die Innenstadt nicht so sehr, ist mir zu anstrengend. Und ansonsten wird in München für meinen Geschmack das beste Bier überhaupt gebraut.
Neben Rainbow werden Sie live vor allem mit Ihrer Stammband Blackmore’s Night Konzerte absolvieren. Was macht den Unterschied zwischen dieser Gruppe und Rainbow aus?
Bei Blackmore’s Night steckt ein Haufen von Freunden und Vertrauter zusammen. Wir haben von außen nicht den ganz großen Druck. Alles ist um einiges intimer als bei Rainbow. Die Erwartungshaltung an die alten Rocker ist sicher größer.
Was dürfen wir von Blackmore’s Night diesen Sommer live erwarten?
Tolle Lieder, Party-Atmosphäre, organische Versammlungen, akustische Instrumente.
2018 war das erste Jahr, in dem wir in unserer über zwei Dekaden andauernden Karriere Deutschland nicht im Rahmen einer Konzertreise besucht haben. Unsere Plattenfirma hat uns auf Live-Mission in die USA geschickt. Aber wir haben Deutschland sehr vermisst. Uns beide verbindet unglaublich viel mit dieser Nation.
Was gibt es nach den Tourneen Neues von Rainbow und Blackmore’s Night zu erwarten?
Was eine weitere Rainbow-Scheibe betrifft: Abwarten und Tee trinken. Meinetwegen auch ein anderes Getränk…Michael Fuchs-Gamböck

Bild: Rainbow Live In Birmingham 2016, 2 CDs, Label: Eagle Rock, 2016
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tonart Ausgabe Sommer 2019/2

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