Klassik_News_18.06.19
Jetzt weinen Samt und Seide: Nachruf Franco Zeffirelli

Jetzt weinen Samt und Seide: Nachruf Franco Zeffirelli

War Franco Zeffirelli eher ein Opernregisseur der auch Filme dreht oder ein Filmregisseur, der sich am Prunk der Oper gütlich tat? In jedem Fall war der am 15. Juni im Rom im Alter von 96 Jahren gestorbene uneheliche Sohn einer Stoffherstellers und einer Kostümbildnerin einer, der gern ausstattete, der Prunk liebte, in Schönheit schwelgte. Das war, als Universalist, der für Regie, Bühne und Kostüme verantwortlich zeichnete, seine Art der Interpretation – als Fest des Daseins zelebriert.

Der Luxus wurde und war sein Markenzeichen. Selbst in Zeiten des Minimalismus waren Zeffirelli-Produktionen stets nur neue Variationen des Überflusses und des unerhörten Aufwands. So macht es Sinn, dass jetzt am 21. Juni noch eine „Traviata“-Produktion des schon länger Schwerkranken in der Arena di Verona herauskommt, die vermutlich vor allem wieder ein Manifest der bewahrenden Musikliebe in Roben, Kissen und Portieren ist. Was freilich in der genuin konservativen Opernwelt auch etwas Kostensparendes sein kann. Die heute noch an der Wiener Staatsoper und der Mailänder Scala sowie an der New Yorker Metropolitan Opera gezeigten Zeffirelli-Inszenierungen, insbesondere seine an allen drei Häusern seit den Sechziger bzw. Siebziger Jahren laufende, liebevoll detailreiche „La Bohème“-Version, sind längst ihr Geld wert gewesen. Und so weinen jetzt vermutlich selbst Samt und Seide, weil auch dieser weltabgewandte, in einer anderen Zeit existierende Olympier sich doch als sterblich erwiesen hat.

Franco Zeffirelli, schon der angenommene Nachname bezieht sich auf ein Mozart-Duett über die lauen Winde, wurde am 12. Februar 1923 in Florenz geboren, nach dem Krieg machte er als Assistent und Liebhaber Viscontis in dessen Theatertruppe Furore. Er arbeite nur mit Stars wie Maria Callas, mit der er auch befreundet war, oder Elizabeth Taylor und Richard Burton („Der Widerspenstigen Zähmung“, 1967); oder schuf sie selbst, wie Olivia Hussey und Leonard Whiting in seiner immer noch appetitlichen „Romeo und Julia“-Adaption von 1968. Zeffirelli verfilmte das Leben von Franz von Assisi und Jesus von Nazareth, er schickte aber auch Brooke Shields in die „Blaue Lagune“. Er war katholisch, schwul, streitlustig, saß für Berlusconi im Parlament. Aber sein Geschmack, der hat ihn nie verlassen. Manuel Brug

Foto@©Rick Mackler/rangefinder/Globe Photos, Inc/ImageCollect
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