Entertainment_News_06.04.12
Harry Belafonte stellt Autobiographie vor

Harry Belafonte stellt Autobiographie vor

Harry Belafonte, der vor einigen Tagen seinen 85. Geburtstag feierte, kann auf ein ereignisreiches und erfülltes Leben zurückblicken. Er erlebte fast ein Jahrhundert voller sozialer, politischer und kultureller Umbrüche, vom zweiten Weltkrieg über die Bürgerrechtsbewegung bis zur Wahl Obamas – und gestaltetes es mit. Er war Calypso-König und Folksänger, prominenter linker Aktivist und ebenso gefeierter Star in Las Vegas. Ganz nebenbei frönte er seiner ersten Leidenschaft, der Schauspielerei. All das schildert er nun in einer Autobiografie. Er nahm Schauspielunterricht an der renommierten New Yorker New School, andere Kursteilnehmer waren u.a. Tony Curtis, Walter Matthau, Rod Steiger und Marlon Brando. Letzteren nahm Belafonte oft mit zu Veranstaltungen in Harlem, weil er bisher „nie einen weißen Menschen getroffen hatte, der sich so sehr für schwarze Kultur interessiert.“ Um die Schauspiel-Stunden zu bezahlen, begann er öffentlich als Sänger aufzutreten. Seinen ersten Gig bekam er, weil ihn jemand als Schauspieler gesehen hatte. Für damals recht stattliche 70 $ die Woche sang er Standards und wurde von niemand geringerem begleitet als Charlie Parker, Max Roach und ein paar anderen Bebop-Größen.

Er engagierte sich in Zusammenarbeit mit anderen Künstlerkolleg/innen für die Gleichberechtigung der Afroamerikaner. Er gehörte seit Mitte der 50er zu den Vertrauten von Martin Luther King Jr., den er auch finanziell unterstützte, nahm 1963 an seiner Seite am March on Washington und vielen anderen Veranstaltungen der Civil Rights Movement teil. Er kämpfte ebenfalls gegen die Apartheid in Südafrika. So nahm er mit der Exilantin Makeba auf und unterstützte den jungen Hugh Masekela. Er verhalf auch diversen anderen aufstrebenden Künstler/innen zu Plattenverträgen und Jobs.
In den 70er nahm das Interesse an Belafontes Musik in seiner Heimat ab und er verlor seinen Plattenvertrag mit RCA. Dafür tourte er in der gesamten Welt und war als politischer Aktivist auch in den sozialistischen Ländern beliebt. Sein Engagement für „USA for Africa“ brachte ihm musikalisch auch zu Hause wieder neues Interesse ein. Nach einer ausführlichen Europatour und einem letzten Auftritt 2003 zog sich Belafonte aufgrund einer Erkrankung von der Bühne zurück. 2011 wurde im Film ‘Sing Your Song‘ Belafontes Werk gefeiert, besonders sein politischer Aktivismus, der vielen Fans der fröhlich-sonnigen Karibiksongs weniger bekannt war. Im selben Jahr erschien auch seine Autobiografie, die er gemeinsam mit dem Journalisten Michael Shnayerson verfasst hat und die nun auch auf Deutsch vorliegt.

Neben Geschichten zu seiner Musikkarriere und seinem politischen Aktivismus schreibt Belafonte über sein persönliches Befinden, wie er bestimmte Erlebnisse für sich verarbeitete, auch weniger vorteilhafte Dinge wie seine Spielsucht, der er im Kontrast zu dem Kämpfen der Civil Rights Movement in den elitären Casinos frönte, und kurzfristige Liebesabenteuer neben drei Ehen, aber auch obskure Erlebnisse im Showbusiness und persönliche Betrachtungen bekannter Persönlichkeiten von Sidney Poitier, Eleanor Roosevelt, James Baldwin, Bob Dylan, Fidel Castro, Miriam Makeba bis zu Frank Sinatra. - © Foto: Kiepenheuer & Witsch
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