Pop_News_03.09.21
Chris deBurgh - Neuigkeiten vom romantischen Dieb

Chris deBurgh - Neuigkeiten vom romantischen Dieb

Eigentlich hätte „Robin Hood - Das Musical“ diesen Sommer im Fuldaer „Schlosstheater“ Premiere feiern und im Anschluss mehrfach über die dortige Bühne gehen sollen. Doch das „Corona“-Virus machte den Veranstaltern einen dicken Strich durch die Rechnung. Aus diesem Grund wurde das groß angelegte Event auf die Zeit zwischen 3. Juni - 16. Oktober nächsten Jahres verlegt.
Verantwortlich für die Komposition ist der Hesse Dennis Martin, der sich einen Namen durch die Arbeiten an „Die Päpstin“ und „Der Medicus“ machte. Außerdem der weltbekannte Troubadour Chris DeBurgh, der zum ersten Mal in seiner mehr als vier Dekaden dauernden Karriere an einem Musical mitwirkte. Eine gute Wahl alleine schon aus dem Grund, weil sich die Familienhistorie des Mannes Jahrgang 1948 bis in die Zeiten des legendären englischen Königs Richard Löwenherz im 13. Jahrhundert zurückverfolgen lässt.
In dieser Epoche spielt auch die weltbekannte Mittelaltersaga um Robin Hood, der - angeblich - mit seinen Gefährten in den Wäldern von Nottingham gegen die Unterdrückung kämpfte. Reichen der Sage nach Geld wegnahm, dieses an Arme verteilte. Und beinahe nebenher die Liebe der taffen Lady Marian gewann. Jedenfalls ist Robin Hood der romantischste Dieb und Revoluzzer aller Zeiten.
Weil bereits seit einiger Zeit absehbar gewesen ist, dass sich die Musical-Aufführungen verschieben würden, Chris DeBurgh auf der anderen Seite weiterhin vom Mythos des Räuberhauptmanns fasziniert ist, hat der Ire ein Konzeptalbum namens THE LEGEND OF ROBIN HOOD vorgelegt. Der selbst ernannte „eingefleischte Romantiker“ zeigt sich im Gespräch mehr als stolz auf sein neues Opus.

Warum ist Robin Hood als Charakter so interessant für Sie?
Der Typ selbst ist mir gar nicht so wichtig. Stattdessen bin ich leidenschaftlicher Hobby-Historiker. Das konnte man bereits bei meinem Album von 2010, MOONFLEET & OTHER STORIES, mitbekommen. Darin nehme ich Bezug auf den Abenteuerroman „Moonfleet“ aus dem Jahr 1898. Ich bin ganz vernarrt in britische Sagen!
Danach hauten mich alte Freunde an, ich möge doch mal was über den Nationalhelden Hood zu Papier bringen. Und je mehr ich mich in dessen Legende einlas, in all ihren Widersprüchen, desto spannender wurde die Sache für mich. Irgendwann habe ich mein Schicksal in Sachen „Robin“ angenommen. (lacht)
Obwohl höchst umstritten ist, dass dieser Mensch je gelebt hat…
Das ist mir egal. Denn letztlich ist die Persönlichkeit jenes Vogelfreien eine originelle, einzigartige. Gerade in ihrer Zerrissenheit. Und ihrem Sinn für Gerechtigkeit. So etwas macht mich als Geschichtenerzähler selbstverständlich neugierig.
Inwiefern unterscheiden sich Musical und Album?
Auf der Platte gibt es im Gegensatz zum Bühnenstück keine wirklich zusammenhängende Story. Robin - und Marian - stehen im Zentrum der locker zusammen hängenden Episoden. Das war es auch schon an Gemeinsamem. Ich kann mir aber vorstellen, dass manch ein Hörer ganz für sich eine Story herbei fantasiert. Das ist selbstredend das Herrlichste, was ein Autor sich erträumen kann.
Wann hörten Sie zum ersten Mal von Robin Hood?
Ich bin Brite, da kam ich schon als Knirps gar nicht umhin, irgendwann von dieser Sagengestalt etwas mitzubekommen. Meine Eltern waren dafür verantwortlich. Uns Iren zieht das Mysteriöse magnetisch an. (lacht)
Wobei der Robin Hood auf meiner Scheibe nicht der sagenumwobene Recke ist. Vielmehr stecken in ihm Traumata und auch Verängstigung, seit er als Kämpfer bei den Kreuzzügen in seine Heimat England zurück gekehrt ist. Meine eigentliche Heroin ist Lady Marian. Sie ist es, welche die Seele von Hood rettet.
Unabhängig jener Persönlichkeitsstörungen - ist Robin Hood für Sie der Inbegriff des Kämpfers, dem Gerechtigkeit über alles geht?
Als er von den Kreuzzügen zurück gekehrt war, hat es ihn zutiefst wütend gemacht, wie die Armen von der Krone ausgebeutet wurden. Sein Gewissen ließ es nicht zu, diese Sache stillschweigend hinzunehmen. Es war ihm Gebot zu handeln. Gegen das gierige Kapital. Ich bin mir sicher, Robin Hood würde heute genauso handeln wie vor knapp tausend Jahren.
Warum sind Ihnen historisch orientierte Geschichten so wichtig?
Weil dieser Stoff voller Allegorien steckt. Wer sich in die Geschichte vertieft, wird immer wieder auf dieselben menschlichen Grundeigenschaften stoßen, quer durch die Jahrhunderte. Ales an Emotionen wiederholt sich. Das macht die Sache so einfallslos wie anregend.
Nehmen wir Robin Hood als Beispiel: Ehe er in den Krieg zog, war er beinharter Macho. Als er zurück war, hatte er sich in einen emphatischen Mann verwandelt. Und als er Lady Marian traf, begann er endgültig über „Gut“ und „Böse“ intensiv nachzudenken. Dafür musste er sich mit der ureigenen Vergangenheit beschäftigen.
Es geht die Sage, dass König King John, dessen Sohn Heinrich III. sowie deren mächtiger Chef-Justiziar Hubert deBurgh hinter Robin Hood her gewesen sein sollen. Was halten Sie von dieser Sache?
Ich habe diese Angelegenheit penibel recherchiert. Schon aus dem Grund, weil Hubert ganz offensichtlich ein entfernter Verwandter von mir war. Einer der mächtigsten Männer im England des 13. Jahrhunderts. Ob ich auf diesen Kerl stolz sein soll? Ich denke eher nicht…
Sollten die „Robin Hood - Das Musical“-Termine, was selbstverständlich niemand hofft, auch im kommenden Jahr platzen - was sind Ihre Pläne?
Neues Album. Club-Tournee. Sich des Lebens freuen. Was ein Profi-Musiker in Zeiten von „Corona“ eben macht, um sich bei Laune zu halten. Michael Fuchs-Gamböck

Bild © Ruth Medjber
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