Pop_News_13.02.26
Axel Rudi Pell - Hart, herzlich und melodisch

Axel Rudi Pell - Hart, herzlich und melodisch

Dieses Energiebündel kann, scheint es, nichts in Lethargie versetzen: Axel Rudi Pell haut im beinahe jährlichen Abstand eine Produktion nach der nächsten raus. Das neueste akustische Powerpaket des Bochumer Originals trägt den Titel GHOST TOWN. Am Telefon lacht der selbst ernannte „ewige Rocker“ gerne dröhnend, wenn der 65jährige nicht gerade kehlig hustet („scheiß-Raucherhusten“, knurrt er verschmitzt).
Eingespielt worden ist GHOST TOWN, das 23. Studiowerk als Axel Rudi Pell, einmal mehr von der vierköpfigen, 1989 gegründeten Axel Rudi Pell Band mit zumeist langjährigen Mitstreitern. Über allem thront der Maestro höchstpersönlich, als Gitarrist, Komponist, Texter. „Wenn schon mein Name auf dem Cover steht, dürfen die Käufer erwarten, dass sie „echten Pell“ für ihr Geld bekommen“, erklärt der Sympath aus dem Ruhrpott. „Dass meine Ideen von erstklassigen Musikern in Szene gesetzt und mit Leib und Seele intoniert werden, versteht sich von selbst. Nun brennen wir Fünf darauf, ab dem Frühjahr endlich wieder auf Bühnen präsent sein zu dürfen.“

Wenn du das neue Werk radikal persönlich mit früheren Arbeiten vergleichst, welche Entwicklung beobachtest du an dir selbst?
Ich denke und hoffe, dass die Band und meine Wenigkeit sich musikalisch noch weiter verfeinert haben. Dass mein Songwritertum intensiver geworden ist. Okay, den Gitarristen sollten wir möglichst bald raus werfen, der hat einfach kein Niveau. (lacht lange und anhaltend) Aber Spass beiseite, uns alten Knaben, allesamt jenseits der 60, bringt es weiterhin jede Menge Vergnügen, dieses Projekt am Laufen zu halten.
Der Heavy Rock der 80er scheint dich dieses Mal beim Komponieren noch mehr beeinflusst zu haben als derjenige der 70er…
Mit den 80er-Assoziationen kann ich prima leben. Doch musikalisch groß geworden und sozialisiert wurde ich durch die 70er, also von Deep Purple, frühe Rainbow, Uriah Heep oder Black Sabbath. Die Klassiker eben. Aber Kopieren ist nicht. Ich ziehe seit jeher mein ureigenes Ding durch.
Deine Begleitgruppe wird gerne als „perfekte Hard Rock-Maschine“ definiert. Wie viel Einfluss hat sie auf die Endresultate?
Wenig, daraus mache ich kein Hehl. Ich schicke den Jungs meine Ideen via Computer. Und erwarte, dass sie wenigstens zu 90 Prozent aufgenommen werden, wie ich mir das vorstelle. Auf meine Texte hat eh niemand Zugriff. Die bleiben, wie ich sie geschrieben habe.
Was hier nach autoritärem Verhalten klingt, ist es aber keinesfalls. Die Burschen hatten noch nie ein Problem damit, meine Vorgaben umzusetzen. Sie sind froh, dass sie nicht selbst komponieren müssen. Dadurch können sie sich voll auf ihre Instrumente konzentrieren. Und auf der Bühne genießen sie jede Menge Freiheiten, um wild zu improvisieren.
Wie kommt es, dass du nach 23 Solo-Studioalben weiterhin Inspiration für neue Lieder bekommst?
Die Hard Rock-Musen knutschen mich unentwegt! (lacht) Hoffentlich bleibt das so…
Wenn ich ein Album im Kasten habe, spuken mir auf der Stelle wieder neue Ideen im Kopf herum. Bei mir liegt einfach Magie in der Luft.
Beim Song „Breaking Seals“ duelliert sich euer Frontmann Johnny Gioeli mit der lebenden Sanges-Legende Udo Dirkschneider. Wie kam es zum Duett?
Während ich das Stück komponierte, habe ich unwillkürlich an das markante Sangesorgan von Udo gedacht. Wir kennen uns seit gut 40 Jahren, respektieren uns, auch wenn wir keine Freunde sind. Also kontaktierte ich ihn, er hatte sofort Lust auf die Kooperation, in wenige Stunden hatten wir das Lied im Kasten. So einfach!
Ist GHOST TOWN ein weiteres Axel Rudi Pell-Album oder das Öffnen eines neuen Kreativ-Kapitels?
Zweiteres bestimmt nicht. Aber garantiert eine Sammlung toller Kompositionen. Johnny meinte sogar zu mir: „Axel, für mich ist es die beste Scheibe, die wir je gemacht haben.“ Wenn er das sagt, möchte ich ihm nicht widersprechen…
Woher kommt deine Arbeitswut?
Ich habe nie etwas anderes gelernt als Schreiben, Gitarre spielen, Konzerte geben. Selbst für Frauen ist da kein Platz. Na ja, ein bisschen schon… (lacht laut) Genau das ist mein Leben.

MICHAEL FUCHS-GAMBÖCK
Foto: Kai Hoffmann
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