Pop_News_13.03.26
Ásgeir - Prallvoll mit Sehnsucht
Island ist stets für Kunst der Melancholie und Sehnsucht gut. Vermutlich deshalb, weil der kleine Staat übersät zu sein scheint mit gefühlvoll-introvertierten Künstlern wie Ásgeir. Der 33jährige Sohn des 85jährigen Dichters Einar Georg Einarsson hat gerade sein fünftes Album JULIA vorgelegt, das nur so strotzt vor sensiblem Folk-Pop mit skandinavischem, also mysteriösem Einschlag.
„Das Geheimnis beginnt bereits mit dem Albumtitel“, erklärt der introvertierte Vollblut-Künstler. „Julia ist die Protagonistin einer magischen Erzählung, typisch Isländisch. Dahinter verbirgt sich eine Geistergeschichte, in der diese undurchdringliche Julia sich in einem See das Leben nimmt. Ehe sie irgendwann aus dem Totenreich zurückkehrt, um auf Erden für immer mit ihrem Geliebten zusammen zu sein. Hier verwischt die Grenze zwischen Mythos und Erinnerung.“
Für den zurückhaltenden Artisten ist JULIA sein „intimstes, persönliches Werk“, bekennt er beim Telefoninterview, „weil ich darauf zum ersten Mal sämtliche Texte alleine verfasst habe. Früher haben mir mein Herr Papa oder der nicht gerade unbekannte Singer/Songwriter John Grant unter die Arme gegriffen. Jetzt liegt die Verantwortung ausschließlich bei mir. Meine Band hat dem Geschehen lediglich Sound verpasst. Die Ideen stammen sämtlich aus meiner Feder.“
Åsgeir sieht JULIA als eine „Wanderung quer durch meine Vergangenheit“, analysiert er das akustische Abenteuer. „Einige Jahre lang war ich ziemlich depressiv, sah in allem nur Negatives. Mit Hilfe der Musik habe ich mich aus diesem Schlamassel befreien können. Speziell die Aufnahmen meiner zehn aktuellen Stücke waren wie eine Therapie. Mit jedem neuen Song kehrte ich weiter zurück ans Licht.“
Es dauerte beinahe vier Jahre, ehe JULIA zu Ende gebracht war. „So richtig mitbekommen habe ich das gar nicht, denn mir war all die Jahre über nicht einen Tag langweilig“, erinnert sich der Grübler aus Laugarbakki, gelegen im Nordwesten von Island, ein wenig weltfremd zurück. „Ich habe keinen wirklichen Zeit-Bezug. Irgendwie hause ich in meiner eigenen Blase.“
Inzwischen residiert Ásgeir in Islands Kapitale Reykjavik. Von dort aus bereist er 2026 die Welt für etliche Shows. Auch Deutschland steht auf dem Programm, im Herbst für vier Konzerte. Der Eigenbrötler freut sich bereits auf die Shows. Ansonsten ist er froh, dass „ich JULIA fertig gestellt habe. Es war ein ziemlich schmerzhafter Prozess. Doch jetzt bin ich frei für einen positiven Neuanfang.“
MICHAEL FUCHS-GAMBÖCK
Foto: Einar Egils