Pop_News_02.04.26
SCHILLER - MUSIK FÜR EINE POSITIVE UTOPIE
Obwohl auch andere seiner äußerst erfolgreichen Studio-Werke prägnante Titel besitzen, etwa „Zeitgeist“, „Weltreise“, „Leben“, „Sehnsucht“ oder „Iluminate“, ist laut Schiller-Mastermind Christopher von Deylen „Euphoria“ die Platte, bei der dieser Multiinstrumentalist sich ein Stichwort vorgeknöpft hatte und dieses Thema im Anschluss Lied für Lied einkreiste. „Euphorie“, das hat für den 55jährigen aus Norddeutschland etwas mit einem klaren Zustand zu tun, mit einem großen, strahlenden, unverstellten Gefühl.
Inspiriert wurde diese „Euphorie“ akustisch von ewigen Vorbildern wie Jean-Michel Jarre oder Tangerine Dream, also den Klassikern des Elektronik-Sounds. Insgesamt ist es einmal mehr ein Schiller-Werk voll großem Kino, bis zum Anschlag gefüllt mit einschmeichelnden, visionären Klängen aus Ambient, Ethno und immer wieder zugänglichem Pop. Doch auch Techno und Ambient spielen dieses Mal keine unwesentliche Rolle.
Dazu gibt es Gäste wie die ukrainische Sängerin Julia Sanina, das Bochumer Projekt Frida Gold oder die Leipziger Techno-Live-Band Karakum. Erhältlich sind übrigens neben der „gewöhnlichen“ Ausgabe auch verschiedene DeLuxe-Versionen!
Wie kam es zum Albumtitel, was hat die aktuelle Musik mit „Euphorie“ zu tun?
Zunächst sollte die Scheibe „Dystopia“ betitelt werden, weil das schlicht gut klang. Doch dann hätte der Sound darauf wesentlich düsterer klingen müssen. Denn die Moderne ist nunmal düster. Aber ich wollte das genaue Gegenstück erzielen. Also Lieder voller Überschwänglichkeit und Optimismus. Sie agieren gegen den Hedonismus von einst und vor allem heute. Stattdessen verkünde ich Freiheit. Ich mache Musik für eine positive Utopie.
Es geht demnach um die pure Kraft von Musik als Zugang zu unmittelbarem Glück?
Im Prinzip habe ich bislang Musik gemacht, die den Vibe der Welt aufgreift und im Anschluss stärkt. Als ich in den 90ern mit Komponieren begann, lebten wir im Spaß-Jahrzehnt, geprägt von der Club-Atmosphäre. Im Anschluss wurde Ambient zum Mainstream. So auch bei mir. Und schließlich kam der Stillstand, die Welt war eingelegt in Aspik. Es gehörte zum guten Ton, nichts mehr ändern zu wollen. Dieser Stagnation habe ich mit „Euphoria“ einen Gegenpol verpasst. Jetzt steht bei mir wieder die Bewegung, der Akt des Tanzens, im Vordergrund. Ich habe eine Parallelwelt kreiert, um etwas Positives gegen die dumpfe Realität zu errichten.
Sie kehren demnach zu Ihren Anfängen zurück, den tanzbaren Alben „Zeitgeist“ und Weltreise“, richtig?
Tatsächlich spielt der Rhythmus hier eine erhebliche Rolle. Wobei ich bei den Ursprüngen lande, ohne mich dabei zu wiederholen. Stattdessen geht es um Experimentierfreude. Bei den Platten zuvor habe ich mir den Beat weitgehend abgewöhnt, ohne ich freilich ganz zu verleugnen. Heutzutage geht es mir um Sound, zu dem man sich bewegen kann, während er zeitlos ist.
Wie kam es zu den diesmaligen Kreativ-Gästen?
Karakum habe ich weit nach Mitternacht auf einem Elektronikfestival entdeckt. Wir haben uns auf Anhieb verstanden, weil es mir gefiel, dass sie Techno wie bei einem Rock-Konzert verwendeten. Mit ihnen entstanden zwei Titel. Frida Gold habe ich durch Zufall kennengelernt. Spontan entwickelten wir die melancholisch-atmosphärische Elektropop-Nummer „Sieben Nächte“. Sie ist eine Hymne an den Rausch der Nacht und fängt dadurch ziemlich gut die gesamte Atmosphäre von „Euphoria“ ein. Julia Janina kenne ich seit Jahren, sie ist Sängerin der Rock-Band The Hardkiss, die ich außerordentlich schätze.
Ich war schon mehrfach in der Ukraine und habe dort Konzerte absolviert, mir eine riesige Fan-Schar geschaffen. Mich fasziniert der Charakter der Leute dort. Seit vier Jahren herrscht Krieg, aber sie lassen sich nicht unterkriegen, sind willensstark und trotzig. Mögen pausenlos Sirenen heulen und der Himmel sich vor Kampfjets verfinstern - gerade dann brechen sie auf, um ausgiebig zu tanzen. So etwas imponiert mir.
Lösen solche Lebensumstände auf bizarre Weise eine Sehnsucht in Ihnen aus?
Ich bin ganz allgemein jemand, der vor Sehnsucht birst. Gepaart mit einer pausenlosen Neugier auf Unbekanntes. Ich bin sicher kein Verlorener. Im Gegenteil, meine Sehnsucht ist rastlos. Ein Traum löst stets den nächsten ab. Wenn etwa unmöglich erscheint, sage ich mir: „Jetzt erst recht.“ Es muss ja weitergehen mit den Visionen.
Schiller ist Ihr Projekt, somit Ihr eigener Mikrokosmos. Sind Sie demnach eine Art Musik-Autist?
Der bin ich unbedingt. Früher habe ich mit einer gewissen Ungeduld versucht, Inspiration für meine Lieder von außen zu bekommen. Jetzt höre ich konsequent auf meine innere Stimme, die mir ab und an etwas zuflüstert. Gelegentlich brüllt sie mich auch an (lacht). Bei meiner Arbeit möchte ich mir natürlich treu bleiben. Dabei ist es wichtig, den Kopf möglichst aus dem Spiel zu lassen, weil sonst das Bauchgefühl für die Musik verschwindet. Ich glaube, dass meine Stücke genau davon leben.
Was fasziniert Sie so sehr an der Elektronik beim Komponieren?
Ich fühle mich mit meinen meist analogen, demnach durchaus betagten Synthesizern wesentlich wohler als etwa in Begleitung einer Gitarre. Die Welt der Elektronik verschafft mir jede Menge kreativer Freiheit. Der Umgang mit der Elektronik leitet mich in immer neue musikalische Welten. Ich möchte, dass das Erfinden pausenlos weiter geht. Dass sich neue Wege auftun, die ich beschreiten kann. Ich habe mich immer schon liebend gerne auf mich und meine Projekte konzentriert.
Inwieweit wurde sich beim Schreiben an Krautrock-Koryphäen wie Tangerine Dream oder Popol Vuh orientiert?
Speziell Tangerine Dream-Sound ist der, mit dem ich in meiner Jugend musikalisch sozialisiert worden bin. Zwischen meinem 12. bis 20. Lebensjahr habe ich kaum etwas anderes gehört. Ich konnte diesen Stoff nicht richtig einordnen. Er wurde ja kaum im Radio gespielt. Für mich war dieses wundersame Zeug ein Gegenentwurf etwa zur Pop-Musik. Das habe ich so übernommen. Mir also meinen eigenen Mikrokosmos und Gegenentwurf erschaffen.
Die früheren Stücke waren nahezu reine Club- und Dance-Angelegenheiten. Wie wichtig ist es Ihnen heutzutage, dass die Hörer zu Ihrer Musik tanzen können?
Alles zu seiner Zeit (lacht). Ich habe versucht, den Club–Aspekt immer weiter zu ergänzen, um dem Hörer einen möglichst weiten musikalischen Horizont anzubieten. Audiophile Abenteuer für Kopf, Herz und Beine. Das schließt sich zum Glück nicht aus.
Ihre nächste Tournee wird im Surround Sound-System gespielt. Was hat das konkret zu bedeuten?
Der Klang ist im 360 Grad-Modus erlebbar. Er „wandert“ herum. Er „,marschiert“ zu den Besuchern. Ich hoffe, niemand wird diese Abende jemals vergessen.
MICHAEL FUCHS-GAMBÖCK
Foto: Christopher Von Deylen
TOURNEE:
SCHILLER - EUPHORIA - Die Arena Tour 2026
09.05.2026: Leipzig, QUARTERBACK Immobilien ARENA
10.05.2026: Oberhausen, Rudolf Weber-ARENA
11.05.2026: Stuttgart, Porsche Arena
12.05.2026: Köln, LANXESS arena
14.05.2026: Frankfurt, myticket Jahrhunderthalle
15.05.2026: Hamburg, Barclays Arena
16.05.2026: Berlin, Uber Arena
Semmel Concerts
SCHILLER Sommerklang Open Airs 2026 & Festivals
10.07.2026: München, Tollwood Sommerfestival (mit Parov Stelar)
24.07.2026: Bremen, Seebühne
25.07.2026: Bad Elster
26.07.2026: Festung Königstein
30.07.2026: Weimar
31.07.2026: Salzgitter
01.08.2026: Rügen
10.08.2026: Augsburg
11.08.2026: Nürnberg
14.08.2026: Rietberg
15.08.2026: Burg Wilhelmstein
05.09.2026: Schwedt/Oder
06.09.2026: Schwerin
11.09.2026: Insel Mainau
SCHILLER | Official Website schillermusic.com
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