Pop_News_05.06.26
GIPSY KINGS - DIE ZIGEUNER SIND IN DER STADT (ZUM GLÜCK!)

GIPSY KINGS - DIE ZIGEUNER SIND IN DER STADT (ZUM GLÜCK!)

- „Tonhalle“, München, 29. Mai 2026 -

Natürlich kennt man diesen Sound. Aber eben nicht zur Genüge. Oder um es auf den Punkt zu bringen: Wer leidenschaftlichen Gipsy-Flair schätzt, geschüttelt nicht gerührt (um Top-Agent James Bond und seinen Klassiker-Slogan einzubringen) aus Flamenco und Rumba, intoniert von kernig-kräftigen Gitarren, der ist bei den Gipsy Kings seit jeher bestens bedient.
Das dafür zuständige, begeistert durch die Lande fahrende Roma-Volk existiert seit bald fünf Jahrzehnten. Übrig geblieben von der Originalbesetzung der Zigeuner-Truppe ist lediglich Leader Tonino Baliardo, im permanent leichten Reisegepäck trägt der Strahlemann mit der markanten sehnsüchtig-ruppigen Stimme rund 20 Millionen verkaufter Tonträger weltweit mit sich, darunter Genre-Klassiker wie „Bamboleo“, die spanische Version von Frank Sinatras „My Way“ oder „Volare“. Zwischen mitreißend und melancholisch kommt das Geschehen rüber, lädt zum Tanzen wie Träumen gleichermaßen ein. Sachliche Gemüter reden von banalem Kitsch. Die Anderen schließen die Augen und genießen.
Dem 66-jährigen Ausnahme-Gitarristen mit französischen Wurzeln ist eh vollkommen egal, wie Medien den Sound jener Gruppe definieren, deren Chef er sein darf. „Wichtig ist doch“, lacht er im zuvor geführten Interview, „dass der Rhythmus stimmt. Dass die Menschen eine gute Zeit genießen, wenn sie unseren Liedern zuhören. Unsere Basis stellen Flamenco und Rumba dar, keine Diskussion deshalb! Doch diese Spielformen bieten unglaublich viele Interpretationsweisen. Uns wird garantiert nie langweilig werden, während wir spielen.“
Um kurz nach 20 Uhr stehen acht gestandene Kerle auf der Bühne der mit knapp 2.000 Leuten gut besuchten Münchner „Tonhalle“. Im Zentrum des Geschehens der Senior, also der olle Tonino, im schmucken Hawaiihemd.
Von den ersten Klängen an wird klar, wofür vor allem der weibliche Teil der Besucher sich in dieses Venue gequetscht hat, die meisten davon egal welchen Alters gewandet in luftige Sommerkleidchen oder knallenge Cocktailkleider - sich rasant in Ekstase tanzen. Die Herren der Schöpfung bemühen sich teilweise etwas ungelenk, bei der ungezügelten femininen Energie mitzuhalten. Andere lassen sich auf dieses Geplänkel erst gar nicht ein, entern stattdessen den Tresen der Bar, samt cooler Sonnenbrille und mindestens ebenso coolem Grinsen. Und manch gewitzte Zeitgenossen scheinen den Latino-Fortgeschrittenen-Tanzkurs bis zum Ende durchgehalten zu haben, sie schnappen sich ihre meist rassige Partnerin, die erfreut den Popo schlenkert, und tänzelt mit der Senorita geschmeidig auf den Salsa-Olymp zu.
Die Herren auf den Bühnenbrettern mit dem feurigen Zigeunerblut in den Venen geben ihr Bestes, um den entsprechenden Soundtrack zu zaubern - wobei der eine oder andere Sommerhit-Klassiker wie „Djobi Djoba, „Soy“ oder „Baila Me“ nicht fehlen darf. Das Ganze wird ein rassiger Abend. Wobei man sich nicht ganz des Eindrucks erwehren kann, dass der „Gypsy-Zauber“ anno 2026 einer gewissen Statik nicht entbehrt. Irgendwie schwingt ein Hauch von Anachronismus in der stickigen Luft dieser schwülen Sommernacht. Als würde man der Klangwelt einer einst unbeschwerten Ära lauschen, die es in dieser Form nicht mehr gibt.

MICHAEL FUCHS-GAMBÖCK
Foto: PETER SZALATA
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