Pop_News_19.06.26
OK Goodnight - Punk-Prog

OK Goodnight - Punk-Prog

Ein ZOOM-Interview macht es möglich, dass man gleich drei Mitglieder des Quartetts OK Goodnight ins heimische Büro lassen kann, obwohl diese wiederum an zwei verschiedenen Orten sitzen. Zunächst schalten sich Sängerin Casey Lee Williams und Schlagzeuger Augusto Bussio in die Gesprächsrunde ein. Die beiden sind auch privat ein Paar. Gleich darauf gesellt sich aus einem anderen Zimmer in Boston Keyboarder Martin de Lima dazu. Nur Bassist Peter de Reyna lässt sich entschuldigen, gibt an jenem Tag verschiedenen Medien Interviews.
Es herrscht jedenfalls gehörig Nachfrage, was OK Goodnight betrifft. Der Vierer aus studierten Musikern, der sich 2018 am „Berklee College Of Music“ in Boston kennen lernten und bald darauf ihre eigene Band ins Leben rief, hat 2023 sein in höchsten Tönen gelobtes Konzeptalbum THE FOX AND THE BIRD vorgelegt, um in Anschluss daran eine kleine Ewigkeit quer durch die Welt zu touren, meist in ausverkauften Clubs und Hallen.
Letztes Jahr sind die End-Zwanziger ins Studio zurückgekehrt, um dort STOP/GO aufzunehmen, das neue Werk, das sich stark vom Vorgänger unterscheidet. „Einerseits sind wir Akademiker, andererseits sind wir Punks“, lacht De Lima. „Daher bietet es sich an, dass wir sowas wie Punk-Prog spielen. Unser Sound ist verkopft und leidenschaftlich zu selben Zeit.“ Bussio fügt hinzu: „Wir lieben es, wenn man unsere Musik als „Prog“ bezeichnet. Denn darin steckt zunächst das Wort „progressiv“. Genau diesen Anspruch verfolgen wir mit unserer Arbeit: fortschrittlich zu klingen und ständig nach vorne zu schreiten.“
Die Vier von OK Goodnight mögen mittlerweile enge Freunde sein. Musikalisch haben sie allerdings die unterschiedlichsten Idole. Nur auf Bjørk können sich alle einigen, ebenfalls auf die Classic Prog-Pioniere von Gentle Giant. „Die verkörpern für uns pure Avantgarde“, schwärmt De Lima. „So einen Status möchten wir auch mal erreichen.“
Für die meisten Texte ist Williams zuständig. „Schließlich muss ich das Zeug ja singen“, prustet die Frontfrau hervor. „Daher weiß ich schon gerne, worum es in den Versen geht. Meine haben viel mit Beobachtungen zu tun. Und noch mehr mit meiner etwas kryptischen Innenwelt. Ich bin innerlich weitgehend zerrissen. Diesen Zustand drücke ich gerne in Reimen aus.“
Der Titel STOP/GO wurde gewählt, so Williams, „weil wir nach der langen Tournee erstmal innehalten mussten. Um jetzt gestärkt wieder aus dieser Pause hervorzugehen. Übrigens steckt hinter den zehn neuen Songs kein Konzept. Sie sind eher eine Bestandsaufnahme.“ Bussio definiert den Status Quo derart: „Dieses Mal geht es ruppiger zu als noch auf dem Vorgänger. Auch der Sampling-Aspekt spielt eine entscheidende Rolle, ohne dass wir deswegen eine Electronica-Combo wären. Wir haben uns dem Ethos der „Mixed-Media-Art“ verschrieben. Bei uns ist alles ständig im Fluss!“

MICHAEL FUCHS-GAMBÖCK
Foto: JUST FOR KICKS
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