Pop_News_11.09.26
Hierer - Politik ist privat und umgekehrt

Hierer - Politik ist privat und umgekehrt

Für sein Debütwerk hat man sein ganzes bisheriges Leben Zeit. Danach beginnt die wahre Arbeit. So die Meinung vieler Kreativer, die der Öffentlichkeit ihren Erstling präsentieren. So sieht das auch Michael Hierer, der bevorzugt mit seinem Nachnamen angesprochen werden möchte. Der 41jährige Nürnberger hat sich bei der Arbeit an WENN WIR ALLE „keine großen Gedanken darüber gemacht“, reflektiert er, „wann diese Platte fertig werden soll und wie sie am Ende zu klingen hat. Und da ich Perfektionist bin, hat das Procedere ziemlich lange gedauert, etwa zwischen 10 bis 15 Jahre.“
Zum Glück hat der umtriebige Mann, der aus Gründen der Liebe ins nordrhein-westfälische Greven nahe Münster gezogen ist, jede Menge andere Arbeiten zu erledigen. So ist er studierter Pop-Musiker und an der Celler Schule ausgebildeter Textdichter, er darf auf eine erfolgreiche Theater-Laufbahn verweisen und hat bei verschiedenen Musicals mitgewirkt. Ab sofort liegt sein Hauptaugenmerk auf der Karriere als Musiker.
„Ich sehe mich als Liedermacher und Romantiker, ebenso wie als Gesellschafts-Anprangerer“, definiert er sich selbst. „Die beiden Ansprüche stehen sich überhaupt nicht im Weg. Denn das Politische ist stets das Private und umgekehrt. Wolfgang Niedecken ist ein gutes Beispiel dafür. Oder die Formation Jupiter Jones mit ihren gerne mal doppeldeutigen Versen. Solche Künstler bewundere ich.“
Die 14 Songs von der Hierer-Scheibe erinnern an moderne Versionen von Reinhard Mey, Stephan Silke oder Purple Schulz. Authentizität ist das Wichtigste, das der aufgeweckte Charakter mit seiner Musik vermitteln möchte. „Jedem meiner Stücke ist es wichtig, dass es voller Emotionen steckt“, ist Hierer überzeugt. „Meine Texte müssen absolut ehrlich sein, sonst funktionieren sie nicht. Weder bei mir noch beim Hörer.“
Der frisch gebackene Singer/Songwriter sieht sich nicht als „Dauer-Optimist, dafür denke und grüble ich zu viel“, analysiert er sich selbst. „Eher bin ich ein aufmerksamer Realist, der insgeheim hofft, dass es mit der Welt und der Menschheit nicht völlig den Bach runter geht. Natürlich gibt es bei mir auch sozialkritische Verse. Ich überlege pausenlos, warum wir uns in dieser verfahrenen Situation befinden. Es ist meine Pflicht, neben Liebes-Poesie auch Zeilen über den Klimawandel, Egoismus oder aufkeimenden Rechtsradikalismus zu verfassen.“
Dass der gebürtige Franke das Studium des Textdichters absolviert hat, „für diese Chance bin ich dem Schicksal extrem dankbar“, schwärmt er. „Ohne diese Ausbildung wäre mein Tonträger niemals entstanden. Dadurch erst lernte ich, wie man gehaltvolleTexte schreibt. Jetzt sollte meiner Karriere als Pop-Musiker nichts mehr im Weg stehen. Ich bin gerüstet. Am zweiten Album wird bereits fleißig gearbeitet.“

MICHAEL FUCHS-GAMBÖCK
FOTO: hierer-music.com
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