Pop_News_02.10.26
RATKEN - DAS GROßE KUDDELMUDDEL
Nach dem Tod von Bandleader Roye Albrighton am 26. Juli 2016 waren zwei Formationen unter dem Namen Nektar bzw. New Nektar am Start. Die deutsche Ausgabe um Keyboarder Klaus Henatsch, der ab 2007 in der Spätphase der Original-Nektar beständigstes Mitglied war, wurde 2018 neu formiert. In der Tradition der frühen Version hat Henatsch jetzt das Quintett Ratken ins Leben gerufen, samt dem Album „Our House“.
Seit Mastermind Roye Albrighton das Nektar-Schiff - unfreiwillig, da tot - verlassen hat, zeichnete Chaos in erster Linie diese einstigen Prag-Pioniere aus. Die Frage der Namensrechte in Sachen „Nektar“ etwa war bis 2021 zumindest für Deutschland und Europa geklärt: Die lagen bei Keyboarder Klaus Henatsch und seinen Mitstreitern beziehungsweise deren Manager Hartwig Komar. Dies hielt die US-Besetzung mit den Originalmitgliedern Derek „Mo“ Moore, Ron Howden (am 29. September 2023 auch verstorben) und Mick Brockett nicht davon ab, Platten unter Nektar zu veröffentlichen.
Hartwig Komar wiederum, einst Promoter und Besitzer des „On Stage Records“-Labels, war seit dem 26. Oktober 2018 Alleineigner der Rechte des Namens und des legendären Logos von Nektar, beide entstanden 1969. Er war allerdings nicht Urheberrechtsinhaber irgendwelcher Songs.
Doch am 16. November 2021 erging das endgültige Urteil vom Landgericht Hamburg, dass die Ur-Nektar-Mitglieder Howden, Brockett und Moore, allesamt in den USA zu Hause, vertreten durch den deutschen Rechtsanwalt Gregor Rothmund, die alleinigen Rechte am Namen „Nektar“ als auch den Logos der Gruppe besitzen. Eine bittere Schlappe speziell für Henatsch. Vor allem weil er merkte, dass er bei Hartwig Komar auf eine zwielichtige Gestalt hereingefallen war, die ihn am Ende viel Geld gekostet hat.
Und trotz allen Irrsinns macht der 72jährige Henatsch 2026 unter dem eindeutig-zweideutigen Begriff Ratken weiter. Unbeirrt. Und musikalisch durchaus in der Tradition zumindest der mittleren Nektar stehend.
Warum lässt dich das Projekt „Nektar“ offensichtlich nicht los, trotz diverser juristischer Rückschläge?
Es ist die Liebe zur sehr speziellen Stilistik dieses Sounds. Und auch wegen diesem kreativen Genius Roye Albrighton. Es war beileibe nicht immer einfach, mit ihm zu kommunizieren und zu arbeiten. Dennoch habe ich ihm bis zu seinem Tod die Treue gehalten.
Hat Ratken musikalisch irgendwas zu tun mit den frühen Nektar?
Zunächst mal möchte ich sagen, dass ich diesen Namen bewusst gewählt habe, um weiteren Ärger mit der US-Fraktion zu vermeiden. Zwar habe ich noch Kontakt mit der Witwe von Ron Howden und ziemlich eng mit Che Albrighton, Royes Sohn, ein Schlagzeuger. Doch mit den Anderen leider nicht mehr, weil Komar da zu viele Scherben hinterlassen hat. Wie auch immer, musikalisch sehe ich mich vollkommen in der Tradition von Nektar. Das ist meine große Liebe!
Wie darf man sich die Zusammenarbeit der fünf Bandmitglieder vorstellen, seid ihr eine demokratische Institution?
Ich bin sicher der Chef des Ganzen. Auch weil ich das Projekt komplett alleine finanziere. Trotzdem sind wir Freunde, die gemeinsam die Nektar-Fahne hoch halten.
Was sind die Ratken-Pläne für die nähere Zukunft?
Im Frühjahr wird es aller Voraussicht nach eine kleine Tournee geben. Darauf spielen wir viel neues Zeug. Aber auch einen Mix aus den Bandklassikern. Schließlich habe ich seit 2024 schriftlich vorliegen, dass ich Nektar-Mitglied war und bin. Dadurch besitze ich einige Rechte.
MICHAEL FUCHS-GAMBÖCK