Pop_News_16.10.26
ROGO DeVILLE - DER HERR DER FINSTEREN TÖNE

ROGO DeVILLE - DER HERR DER FINSTEREN TÖNE

- „Groundlift“, Stegen bei Inning/Ammersee, 3.10.2026 -

Wie ein Herrscher ohne Reich, das Zepter fest in der Hand, thront Christian Rogotzki alias Rogo DeVille im barocken Gehrock gewandet auf einem weich gepolsterten Sessel im Zentrum der Bühne des „Groundlift“ in Stegen am Ammersee. Seinem aufmerksamen Blick scheint nichts davon zu entgehen, was sich vor der Bühne abspielt. Ein Blick, den man als dämonisch-grimmig, aber auch als liebevoll-weise umschreiben kann. Genauso wie die Musik, die der in Landsberg am Lech Residierende samt seiner virtuosen vierköpfigen Band in den kommenden knapp zwei Stunden zum besten geben wird. Bei Rogo DeVille ist seit jeher und immer alles eine Frage der Perspektive.
„Poetry Slam Rock“ nennt der End-Fünfziger mit der wuchtigen, den Raum einnehmenden Figur seine Musik. Die rohe Energie des Rock trifft in diesem Mikrokosmos auf dunkelbunte, deutschsprachige Lyrik. Es ist Musik für Leute, welche gegen die Konformität und Gleichgültigkeit kämpfen.
Im „Groundlift“ ist an jenem Samstagabend Premiere des aktuellen dritten Albums von Rogo DeVille, „Die Poesie der Dunkelheit“ betitelt. Das Quintett - Gesang, Gitarre, Bass, Schlagzeug, Keyboards - ackert sich schweißtreibend und prall gefüllt mit Energie durch das komplette Programm. Dieses besteht aus dreizehn mit Musik unterlegten tiefschürfenden Gedichten sowie zwölf leidenschaftlichen Songs, die zwischen Rammstein und Marius Müller-Westernhagen zu Hause sind.
Auf seinem definitiven Opus Magnum beleuchtet Rogo die Schatten seiner Vergangenheit. Nicht um zu zerstören, sondern um als Mensch zu wachsen. Dabei hilft ihm „Poetry Slam Rock“, weil dieser keine Kompromisse eingeht. Auf dem dritten Werk legt Rogo etwa Memoiren an seine Zeit in der „Klapse“ bloss, also in der Psychiatrie, die er insgesamt rund 40 Mal heimsuchte - mal freiwillig, mal unfreiwillig, und die äußerst schmerzhaft verlaufen sind. Auf der anderen Seite beschwört er die Sehnsucht nach einem „wahren Freund“, den Rogos Ansicht nach jeder von uns in harten Zeiten wie der Moderne unbedingt benötigt.
„Poetry Slam Rock“ also: Das ist die Symbiose aus messerscharfer Lyrik und brachialer Urgewalt. Ziel des Ganzen ist beständig die „Allianz des Lichts“, die DeVille an jenem Abend immer wieder beschwört. „Die Poesie der Dunkelheit“ ist die musikalische Manifestation seines Zehn-Jahres-Plans. Es ist die Einladung an alle, die sich nicht mehr mit Plastik-Kultur oder KI zufriedengeben möchten.
Rogo singt längst nur und ausschließlich für sein Publikum, wie er beim Premiere-Konzert eindrucksvoll unter Beweis stellt. Dafür performt er mit der Urgewalt eines wahren Künstlers. Ein Artist, der weiß, dass man nur im Feuer geschmiedet werden kann. Das aktuelle Album entstand demnach für alle diejenigen, die für den Akt Ihrer eigenen persönlichen Auferstehung endlich bereit sind. Es soll Ansporn für die Menschen sein, die dafür aufgeschlossen sind, ihr ureigenes Comeback im Leben zu feiern.
Da ist es kein Wunder, dass eine der vier Zugaben eine markerschütternde Version von Frank Sinatras Evergreen „My Way“ ist. Rogo DeVille scheint seinen ureigenen Weg, nachdem er in etliche Gruben gefallen ist, endgültig gefunden zu haben. Auf diesen Weg nimmt er uns mit. Ach ja, „Die Poesie der Dunkelheit“ erscheint übrigens Ende November im Handel. Nicht lange zögern - kaufen!

MICHAEL FUCHS-GAMBÖCK
Foto: HELMUT MATTES
Zu den Pop_News
tonart Ausgabe Sommer 2026/2

Magazin lesen
Musikfest Berlin